Die nachstehenden Erläuterungen der geschichtlichen Hintergründe sowie die Beschreibung der äußeren und inneren Kirche ist dem PEDA-Kunstführer für unser Münster entnommen.

Diese Seite bringt eine kurze Zusammenfassung. Weitergehende Erklärungen und Bilder finden Sie, wenn Sie die entsprechenden Links anwählen.

Titisee- Neustadt

Katholische Münsterpfarrgemeinde St. Jakobus
Erzdiözese Freiburg/Breisgau
Patrozinium: St. Jakob d.Ä. (25.Juli)

Ortsgeschichte

Bereits um das Jahr 1275 wird Neustadt erstmals aktenkundig - im »liber decimationis« der ehemaligen Diözese Konstanz wird von der Pfarrei und einem hier tätigen Priester berichtet.

Die zweite Nachricht von »nova civitate« stammt vom 26.9.1312. Von da an lässt sich eine ununterbrochene Reihe der in Neustadt tätigen Priester erstellen. Das heißt. dass der Ort im Herzen des Schwarzwaldes seit dem späten 13. Jahrhundert bewohnt ist.

Neustadt gehörte zum Territorium der Grafen und späteren Fürsten von Fürstenberg, erst 1806 fiel dessen Herrschaft an das Großherzogtum Baden. Da das Haus Fürstenberg katholisch blieb, brachte die Reformation keinen Neuanfang in den religiösen Verhältnissen am Ort.

Seine Bedeutung verdankt Neustadt der Tatsache, daß es fürstenbergische Zoll- und Amtsstelle war und Haltepunkt der Thurn- und Taxisschen Post, gelegen an der Hauptverkehrsstraße vom Breisgau im Rheingraben in die Baar, dem günstigen Altsiedelgebiet zwischen dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb, dem Ursprungsgebiet der Donau.

Die vielen Brände, die den mitten im Schwarzwald gelegenen Ort immer wieder heimgesucht haben, zerstörten viel von der alten Bausubstanz, unter anderem die beiden ersten Kirchen des Ortes.

Ein kleines Kapuzinerkloster, das in Neustadt 1669 gegründet worden war, hatte nur bis 1802 Bestand, lebt aber noch in den geheimnisvollen Geschichten vom »Klösterle« fort.

Baugeschichte

Kirchenpatron der ersten, 1275 erwähnten und 1693 durch Brand zerstörten Neustädter Kirche war der hl. Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury , der 1170 in seiner Kathedrale das Martyrium erlitten hat.

Um das Jahr 1500 erhob man den Apostel Jakobus den Älteren zum Patron von Kirche und Stadt, was er bis heute geblieben ist. Der Wechsel des Kirchenpatrons mag mit einer Wallfahrt des damaligen Pfarrers nach Santiago de Compostella zum Grab des Heiligen zusammenhängen, was der Verehrung des hl. Jakob sicher Auftrieb gegeben hat, aber wohl auch mit der Tatsache, dass der hl. Jakob der Schutzheilige aller Pilger und Reisenden war, und Neustadt an einer schon damals viel befahrenen Straße lag. So konnten die Fremden, die oft von weit her durch den Schwarzwald kamen, auch hier zum bekanntesten und beliebtesten Pilgerheiligen des Abendlandes, dem hl. Jakob, beten. Die Jakobsmuschel, die der reisende Pilger an seinem Hut trug, ist Attribut des Heiligen - so steht er in der typisch mittelalterlichen Pilgerkleidung am Hochaltar
des Münsters in Titisee-Neustadt links vom Allerheiligsten.

Nachdem 1796 ein zweites Mal die Kirche abgebrannt war, war ein gleich großer Nachfolgebau errichtet worden. Im Zug des Aufschwunges am Ende des 19. Jahrhunderts erwies sich dieser Bau jedoch als zu klein. Die Notwendigkeit eines großzügigen Neubaus wurde zunächst von Pfarrer August Fauler gesehen, der es nach seiner Investitur 1884 verstand, die Gemeinde nach und nach zu überzeugen. Er führte die ersten Geldsammlungen durch und besprach den Neubau mit dem Ordinariat in Freiburg und dem Architekten Max Meckel aus Frankfurt am Main, der einer der führenden Kirchenbauer seiner Zeit war-

Sein Nachfolger, Hermann Rinkenburger, der 1895 als 28-jähriger nach Neustadt kam, begann zügig mit dem Neubau. Die Bauleitung lag beim Erzbischöflichen Bauamt in Freiburg, zum Baudirektor war Max Meckel ernannt worden, und Architekt Johann Happle aus Neustadt war Bauführer.

Am 1. September 1897 wurde der Bau des Münsters begonnen und bereits im Sommer 1900 konnte der Dachstuhl aufgerichtet werden. Am Nikolaustag 1900 wurde der erste Gottesdienst im neugesegneten Gotteshaus gefeiert. Im folgenden Jahr wurde der Turm vollendet, wobei der Schlussstein am 30. Juli 1901 gesetzt wurde. Die sechs herrlich klingenden Glocken, die Grüninger in Villingen geschaffen hatte, fielen 1942 dem Krieg zum Opfer.

Für die Erbauung der Kirche waren größere Beträge durch Theresia Blessing, Bürgermeister Konrad Winterhalder, sowie Wilhelm Ketterer aus Breitnau gestiftet worden. Weitere Geldmittel wurden durch die Ablösung der Baupflicht der Stadt und der Holzkompensationspflicht der Stadt frei, aber der größere Teil des notwendigen Kapitals wurde durch die Opferwilligkeit der Pfarrangehörigen aufgebracht. Beachtliche Spenden , vorallem an Bauholz, aber auch an Glasfenstern und Geldmittel kamen von den Bürgerinnen und Bürgern aus Viertäler (heute Titisee)

Das Neustädter Münster gehört noch heute zu den größten Kirchen der Erzdiözese Freiburg. Mit dem Turmeingang misst es 68 m in der Länge und 26 m in der Breite. Die Höhe des Mittelschiffs beträgt 18 m.

Das Kirchengebäude

Beim mächtigen, 68 m hohen Westturm des Münsters griff Max Meckel auf die Vorbilder mittelalterlicher sakraler Architektur zurück. Das dreischiffige Münster mit mächtigem Westturm und einem polygonal schließenden Chor, an den ein Seitenchor und ein Sakristeianbau angefügt sind, ist in ihrem Äußeren -gerade durch den massigen Westturm - durchaus dem nahe gelegenen Vorbild des Freiburger Münsters verpflichtet.

Im Inneren ist das dreischiffige Münster durch das hohe, imposante Langhaus bestimmt, das Meckel in Zusammenarbeit mit Pfarrer Rinkenburger nach den Vorbildern der mittelalterlichen Bettelordenskirchen gestaltete.

Waren die Hochwände des Mittelschiffes ursprünglich durch Fresken geschmückt, so beschloss man bei der großen Renovierung des Münsters in den Jahren 1962 bis 1968, der Architektur mehr Geltung zu verschaffen und tünchte das Kircheninnere hell und brachte an den Seitenwänden moderne Kreuzwegstationen aus Mainzer Kalkstein an.

Der Chor birgt den erst 1911 aufgestellten Hochalter. Die Schnitzfiguren über dem Tabernakel stellen u.a. links vom Allerheiligsten den mit der Pilgermuschel gekennzeichneten Kirchenpatron, den hl. Jakobus den Älteren, dar.

Das Kleinod des Münsters aber ist der berühmte Marienaltar im linken Seitenschiff. 1903 als äußerst gelungene Nachbildung des Riemeschneideraltars in Creglingen aufgestellt, macht er deutlich, wie lebendig die Umsetzung gotischer Vorbilder in der Neugotik gelingen konnte.

Im Gegensatz zur Lösung im linken Seitenschiff, das, unterbrochen vom Marienaltar, erst im Seitenchor, der Antoniuskapelle, endet, schließt das rechte Seitenschiff mit einer glatten Wandfläche, vor dem der Josefsaltar steht, ab.

Die große, prächtige Orgel erbaut 1910 in der Werkstätte von F. W. Schwarz in Überlingen, 1995 durch eine neue Orgel der Firma Jann ersetzt, schmeichelt sowohl dem Auge wie dem Ohr. Die vorzüglichen musikalischen Qualitäten der Orgel (2.100 Pfeifen mit 30 Registern, 8 Überzügen und 6 festen Kombinationen) dienen der besonders gepflegten musica sacra. Ergänzt und vervollkommnet wird das Orgelspiel vom geschulten Münsterchor und -orchester.

Die schon zum Jugendstil überleitenden Holzornamente des Orgelprospektes überragen vier imposante freistehende Engel und die oberste Spitze bekrönt die Muttergottes im Strahlenkranz und auf der Mondsichel. Hiermit wird Bezug genommen auf den Marienaltar, dessen obere Bekrönung ebenfalls die Muttergottes mit vier begleitenden Engeln zeigt.

Unterhalb der Engel sind zwei neugotische Bildwerke aufgestellt- ein überlebensgroßer »Kreuztragender Heiland«, den Dettlinger, Freiburg fertigte, sowie eine Pieta.

Im nördlichen Seitenschiff findet sich die gelungene Kopie der Ravensburger Schutzmantelmadonna, bestens nachgestaltet von den Gebrüdern Marmon in Sigmaringen. Die zarte Gestalt der Maria, den Blick zum Himmel erhoben, bietet den Betenden der Welt unter ihrem ausgebreiteten Mantel Schutz und Fürsprache bei Gott an. Mit diesem tröstenden Bild vor Augen kann der Gläubige das Münster wieder verlassen.